Der Grönlandhai

Foto: Biodiversity Heritage Library, CC BY 2.0

Zu schön zum Vergessen: Das Forscherteam um Julius Nielsen von der Universität Kopenhagen hat herausgefunden, dass der Grönlandhai um einiges älter werden kann, als erst angenommen, nämlich bis zu 512 Jahre. 512 Jahre, das ist mehr als ein halbes Jahrtausend!

Wenn ich zurückrechne, könnte ein jetzt noch lebender Hai im Jahre 1.504 zur Welt gekommen sein. Die Erde hatte noch keine Weltkriege erlebt, der Dreißigjährige Krieg war noch in weiter Ferne. Stattdessen segelte Kolumbus gerade um die Welt und »entdeckte« Amerika. Von Australien weiß man in Europa noch nichts, die Ureinwohner sollen noch 270 Jahre ihre Ruhe haben. Berlin hatte gerade mal 10.000 Einwohner; die größte Stadt der Welt war Peking mit 670.000 Einwohnern. Es gab zum ersten Mal Fälle von Syphilis. Martin Luther stand mit 21 Jahren kurz vor seinem Studienabschluss. Die Kunst des Buchdrucks war gerade mal 60 Jahre alt. Leonardo da Vinci malte die Mona Lisa. Albrecht Dürer und Michelangelo waren auch noch recht umtriebig. Beim Kölner Dom kam man nicht so recht weiter, es fehlte das Geld. Rechnen mit arabischen Zahlen war noch unbekannt, genauso wie der gregorianische Kalender und das heliozentrische Weltbild nach KopernikusBlomberg war gerade wieder hergerichtet worden, nachdem es während der Soester Fehde komplett zerstört wurde. Mein heimatliches Wasserschloss in Reelkirchen war noch gar nicht gebaut. Und so weiter und so fort.

Unbegreiflich, dass es ein Tier geben kann, das das alles miterlebt hat (wenn auch nur von einem Ort, an dem keine Sonne scheint; die mögliche Tauchtiefe beträgt nämlich mindestens zwei Kilometer). Und dann wirkt der Hai im Video so, als ob ihn das alles gar nicht interessiert.

Übertroffen wird der Grönlandhai in seinem Alter übrigens nur noch von wenigen Lebewesen, z.B. einem antarktischen Riesenschwamm. Guten Appetit.

Jetzt muss man sich mal vorstellen, dass diese Entdeckung nur die Spitze des Eisbergs ist: Vermutlich gibt es sogar noch ältere dieser Haie. Blöd nur, dass Fischernetze gerne mal zu tief hängen und nebenbei den ein oder anderen dieser ana­chro­nis­tischen Museumsflosser mitfischen. Bestandstatus: »potentiell gefährdet«. Naja, kann ja mal passieren.

Zum Abschluss noch ein paar Stimmungsbilder:

Autor: Kim

Hi, ich bin Kim, Medienschaffender aus Berlin, der sich gerne mal in neuen spannenden Dingen austobt, seien es Medienprojekte, Weltreisen oder kulinarische Experimente.

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