Der große Brummer und seine kleine Schwester

Foto: Christopher Bulle, CC BY 2.0

Es war einmal ein großer Brummer und seine kleine Schwester. Beide summten vor dem großen Netz umher, etwas nervös, aber dennoch mit ungetrübter Motivation. Mal mit gemächlicherem Schritt, mal mit flottem Flügelschlag. Sie warfen sich kecke Blicke zu und tanzten einen uralten, aber dennoch modernen Tanz, den sie von ihrem Onkel Horst gelernt hatten. Auf der einen Seite das gekippte Fenster, auf der anderen Seite die unerreichbare Freiheit; man konnte sie quasi durch die feinen Maschen riechen. »So, das Fenster muss jetzt aber zu!«, dachte ich und ließ die Falle zuschnappen. Schließlich war schon lange Feierabend und ich musste nach Hause. Doch schon drangen die kleinen Hilfegesuche an mein Ohr. Sie summten: »Rette uns! Hilf uns diese Barriere zu überwinden, wir haben doch noch so viel zu erleben. Dort hinten, hinter den sieben Blubenkübeln bei den sieben Zigarettenstummeln.« Was solls, dachte ich, und stellte das Fenster wieder auf kipp. Im Büro lagen schließlich noch ausreichend Tagesrationen bereit und es gab genügend Freizeitmöglichkeiten in den großen Fluren und Räumen. Einmal die Umgebung erkundschaftet, sollte es ihnen ein leichtes sein, demnächst einen passenderen Weg zu finden. Wir winkten uns Goodbye und sagten »Auf Wiedersehen«.

Am nächsten Tag lagen zwei schwarze Punkte direkt unterm Fenster, beide tot.

Autor: Kim

Hi, ich bin Kim, Medienschaffender aus Berlin, der sich gerne mal in neuen spannenden Dingen austobt, seien es Medienprojekte, Weltreisen oder kulinarische Experimente.

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