Der Schlüssel für eine bessere Welt

Ich saß in einem dreckigen Berliner Ubahntunnel zwischen Hipsterpunks und einer osteuropäischen Mutter, die lautstark telefonierte, also alles wie immer. Dann…

Foto: Library and Archives Canada, CC BY 2.0

Es gibt diese Momente, während man in seinem Trott versunken durchs Leben huscht, die einen innehalten und plötzlich vieles in Frage stellen lassen. Die Gedanken drehen auf, man scheint endlich den nötigen Betrachtungsabstand gewonnen zu haben, um verstehen zu können. Schöne Momente, traurige Momente.

Heute hatte ich einen wundervollen Moment: Ich saß in einem dreckigen Berliner Ubahntunnel zwischen Hipsterpunks und einer osteuropäischen Mutter, die lautstark telefonierte, also alles wie immer. Dann setzten sich zwei kleine Mädchen neben mich, die eine vielleicht 5, die andere ein paar Jahre älter, vielleicht 10. Die ältere kam wohl gerade von der Schule und wollte ihre Schwester nach Hause bringen. Beide waren fröhlich und hatten lustige Kleidchen an.

Dann zog sie ein Buch aus ihrer Schultasche und begann ihrer Schwester vorzulesen. Und wie sie vorlas, klar und deutlich, wunderschön. Egal was um sie herum passiert, egal wie verkommen der Ort und die Menschen, das wichtigste war es nun zu lesen, und der kleinen Schwester vorzulesen.

Es fuhr eine Bahn auf dem anderen Gleis ein, das Mädchen lies sich davon aber nicht stören und las einfach lauter weiter. Das kleinere Kind blieb ruhig und hörte brav zu. Als nun ihre Bahn einfuhr, sorgte die große Schwester dafür, dass beide in den leereren Waggon stiegen und kümmerte sich um einen Sitzplatz.

Ich war total beeindruckt und gerührt. Und mir gingen drei Dinge durch den Kopf:

  1. Was muss es für ein bewegender Moment für die Eltern sein, wenn ihr Kind ihnen das erste Mal voller Begeisterung aus einem Buch vorliest. Wäre mir das passiert, ich wäre der wohl glücklichste Mensch der Welt.
  2. Wann habe ich überhaupt das letzte Mal jemanden vorlesen gehört? Und damit meine ich keine öffentlichen Lesungen oder Poetry Slams, sondern einfach nur einen Menschen, der einem oder mehreren lieben Freunden etwas erzählen möchte.
  3. Wir übersehen leider viel zu schnell, was für uns selbstverständlich ist. Lesen und Schreiben, Schrift verstehen zu können, ist eine so wichtige Fähigkeit. Ich bin überzeugt davon, dass sie der Schlüssel ist für eine bessere Welt, denn durch Lesen und Schreiben entsteht Zugang zu Wissen und Erkenntnis.

Also lasst uns mehr lesen, Blogs, Zeitungen, Magazine, Bücher, egal was. Und lasst uns mehr vorlesen.

Beim Buch des Mädchens handelte es sich übrigens um Der silberne Dolch von Robert L. Stine.

Autor: Kim

Hi, ich bin Kim, Medienschaffender aus Berlin, der sich gerne mal in neuen spannenden Dingen austobt, seien es Medienprojekte, Weltreisen oder kulinarische Experimente.

2 Gedanken zu „Der Schlüssel für eine bessere Welt“

  1. Auf das wirkliche Vorlesen freue ich mich schon.
    Aber es ist auch immer wieder ein wunderbarer Moment, wenn mein Kind sich ein Buch sschnappt und die Geschichte „vorliest“ ohne lesen zu können.

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