Ein Zombie aus der Schublade: der Lamy Safari

Ein vom Unglück verfolgtes Foto: Erst bricht kurz vorher der Bügel an der Kappe ab und dann fällt mir beim Saubermachen noch die Feder in den Abfluss vom Waschbecken…

Freunde, setzt euch, macht es euch bequem, der Opa hat wieder eine Geschichte zu erzählen.

Es begann etwa gegen Ende des Jahres 2016, als mir Arne das erste Mal von seinem Bullet Journal erzählte. Ich war schnell begeistert von diesem System, hab dann aber nach etwa einem halben Jahr der Benutzung das Interesse daran verloren… nur um es dieses Jahr in einer Bring-dein-Leben-in-Ordnung-Phase wieder neu zu entdecken. Darum soll es hier aber erst mal nicht gehen. 🙅‍♀️

Natürlich musste ich damals wie immer viele Dinge googlen und die besten Gadgets und Tricks herausfinden. Irgendwann kam ich dann zwangsläufig zum Thema Papier, Tinte und Schreibgerät. In internationalen Blogs wurden exquisite und exotische Füller & co empfohlen, z. B. der Pilot Capless aka Vanishing Point (den ich übrigens immer noch ziemlich sexy finde, falls jemand ein passendes Geschenk sucht). Ich bin letztendlich bei diversen Kugelschreibern und Gel- bzw. Tinten-Rollern hängengeblieben, mit denen ich mehr oder weniger zufrieden war. Allerdings bin ich mit keinem auf Dauer so wirklich warm geworden. Bei dem ein oder anderen dachte ich, es wäre was für die Ewigkeit, bis sich doch die Macken offenbart haben.

Als ich dann neulich für ein anderes Projekt mehrere Stunden mit Bummeln im Künstlerbedarf-Geschäft verbracht habe, sind mir diverse Tintenfüller ins Auge gefallen. ›Ha, so ein olles Ding hast du doch auch noch zu Hause herumliegen‹, dachte ich mir. Und tatsächlich lag in meiner Schublade ein alter Lamy-Füller, den ich nach dem Ende meiner Schulzeit nie mehr angefasst habe. Ehrlich gesagt, habe ich das Ding nie wirklich gemocht. Es gehörte einfach dazu, weil man das halt so gemacht hat damals. Schule = Schreiben mit Füller und Tinte, Farbe Königsblau. Und an Tinte hatte ich auch nur schlechte Erinnerungen, vor allem an auslaufende Tinte. In Federmappen. Und Taschen. Brr. Als die Schulzeit vorbei war, konnte man das endlich alles hinter sich lassen und sich emanzipieren… mit Kugelschreibern! Und schwarzer Farbe! Dem Lamy habe ich keine Träne nachgeweint.

Aber weltoffen wie ich war, dachte ich mir nun, dass meine Abneigung vermutlich aus der Zwangssituation in der Schule herrührte und ich das ganze aus einem anderen Blickwinkel heraus vielleicht anders sehen könnte. Also mal flux ein paar Lamy-Tintenpatronen mit in den Warenkorb gepackt, Farbe schwarz. Vielleicht hatte mir ja das hässliche Köngisblau die Lust am Tintenschreiben genommen?

Wieder zuhause, kramte ich den alten Lamy wieder hervor und fühlte mich direkt ein paar Jahrzehnte zurückversetzt. Er war überzogen von diversen Kauspuren. Den schwarzen Bügel hatte ich wohl in unzähligen Phasen der Langeweile blank gekratzt. Aber er war noch ganz und sah noch relativ funktionstüchtig aus. Meine Güte, der muss bestimmt schon 15 Jahre dort in der Schublade liegen! Und ist bestimmt schon mehr als 20 Jahre alt. So in etwa musste sich Indiana Jones gefühlt haben. Innen war noch eine Konverter-Patrone eingelegt und mir fiel ein, dass ich mal so ein kleines Tintenfässchen besessen hatte. War eigentlich ganz niedlich.

Jetzt sollte der Lamy aber erst mal gereinigt werden. Aber wie ging das noch gleich? Ich hatte allerlei Reinigungs-Mittelchen da, also erst mal googlen… Ach so, mit Wasser. Hätte man ja gleich drauf kommen können. ›Hmm, gar nicht so dumm, das System‹, begann mein Hinterstübchen zu denken. Und tatsächlich: Einmal durchs Waschbecken gezogen und schon war wieder alles schön sauber. Versucht das mal bei einem Kugelschreiber.

Dann der erste Test mit frischer Patrone. Eigentlich schon ganz nett, die Tinte trocknet langsamer und verteilt sich deswegen viel gleichmäßiger innerhalb der Striche als bei einem Kugelschreiber, das Schriftbild ist viel klarer. Gefällt mir! Und damit ward der Stein ins Rollen gebracht, auf dass er sich noch viele Jahre mit Tinten, Federn und Füllern beschäftigen möge. Näheres dazu hoffentlich bald hier.

Später streunerte ich übrigens noch durch diverse Schreibwarenläden, um mich auf den neusten Stand zu bringen, mit was man denn heutzutage so schreibt. Und was sehe ich im Regal? Meinen über 20 Jahre alten Lamy, nur in neu und nicht-angekaut. Der Gerät wird immer noch hergestellt! Nennt sich Lamy Safari. Den Konverter gibt es übrigens auch noch, verrückt. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, erfuhr ich gestern noch auf dem YouTube-Kanal von inkwitty (sehr zu empfehlen), dass diese Schul-Füller von Lamy richtig gute Schreibgeräte mit super Federn sein sollen. In den USA, wo man während der Schulzeit weniger mit Füllern in Berührung kommt, sind Füller von Lamy wohl besonders begehrt. Hätte ich echt nicht gedacht.

Wie auch immer, mein Lamy Safari kratzt trotzdem inzwischen und schreibt nicht mehr so schön. Außerdem ist mir kurz vor der Aufnahme des Aufmacher-Fotos der Bügel abgebrochen und die Feder fast im Abfluss verloren gegangen. Aber ich werd mir demnächst eh mal einen neuen zulegen, der mich nicht mehr an Klassenzimmer erinnert.

Autor: Kim

Hi, ich bin Kim, Medienschaffender aus Berlin, der sich gerne mal in neuen spannenden Dingen austobt, seien es Medienprojekte, Weltreisen oder kulinarische Experimente.

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