Klare Sprache – Kleine Tipps für produktive Kommunikation

Schon Goethe setzte sich für klare Sprache ein, hier sitzend in antiker Landschaft. Foto: Helena, CC BY 2.0

Wie beim Design mag ich es sprachlich auch gerne aufgeräumt und klar, zumindest schriftlich. Wie wichtig das allerdings für die Produktivität ist, wurde mir erst im Arbeitsalltag richtig bewusst. Mein lieber Herr Gesangsverein, kann man lange aneinander vorbeischreiben… Wie viele Stunden Arbeit man im Jahr sparen und stattdessen über grüne Wiesen hüpfen und Robbenbabies streicheln könnte. Um diesem Ziel etwas näher zu kommen, habe ich hier mal ein paar Klassiker der missverständlichen Sprache zusammengestellt.

Formuliere Fragen so, dass sie mit »Ja« oder »Nein« beantwortet werden können.

Beispiel aus einer fiktiven Unterhaltung über einen nicht unüblichen 20-Personen-Mailverteiler:

A: Wir können die schnellere Variante A umsetzen oder die bessere Variante B. Was meinst du?
B: Das ist eine gute Idee!
🤯

Nach ewigem Hin und Her und ein paar vergangenen Tagen (schließlich ist jemand auch mal im Urlaub oder nicht erreichbar) wissen dann auch endlich alle, wovon gesprochen wird.

Noch einer, weil’s so schön ist:

A: Darf ich die Festplatte so löschen oder sollte ich vorher lieber ein Backup machen?
B: Na klar!
💥

Warum das unproduktiv ist, wird deutlich, oder? 😉

Wo wir gerade dabei sind: Das gute »oder« gibt es auch als angehängte Frage:

A: Das war jetzt aber wirklich schlimm, oder nicht?
B: Ja.
A: Ja, es war schlimm oder ja, es war nicht schlimm? 🧐

Same in English but maybe more bulletproof:

A: That was really bad, wasn’t it?
B: Yep.

Irgendwann habe ich angefangen, stattdessen als Anhängsel richtig? oder ok? oder das schöne gell? zu benutzen, denn wo oder noch das Gegenteil impliziert, meinen diese Alternativen das Eigentliche:

A: Das war jetzt aber wirklich schlimm, gell?
B: Ja.
🎉

Fazit: Es wird dir nicht möglich sein, die Menschheit umzuerziehen. Außerdem würde es zu lange dauern. Denke beim Schreiben deiner Fragen also mit, dass deine Gegenüber nur salopp mit ja oder nein antworten könnten. Denn wenn es möglich ist, werden sie es tun. Die Hartgesottenen werden es übrigens auch tun, wenn es unmöglich ist. Da hilft nur die Umformulierung in eine Ja-Nein-Frage:

A: Nehmen wir grün oder blau?
B: Ja.
🤬

Besser:

A: Nehmen wir grün? Die Alternative wäre blau.
B: Ja.
🎉

Wer macht was bis wann?

Weiteres Beispiel aus einem fiktiven Planungstreffen:

A: Ich habe folgenden Vorschlag: Wie wäre es, wenn wir XY machen?
B: Ja, voll gute Idee!
C: Genial, machen wir auf jeden Fall!
D: Super, dann machen wir mal weiter mit dem nächsten Programmpunkt.
Jahreszeiten: Vergehen 🍂

Im Journalismus gibt es die sieben W-Fragen, mir reichen da schon drei: Wer macht was bis wann? Fehlt ein W, wird’s eher ein Satz mit X.

Beziehungsweise »Und« oder »Oder«

Anlass für den Artikel heute war aber ein klitzekleines Wörtchen, das mich beim Anblick innerlich immer etwas schaudern lässt: »beziehungsweise«. Beziehungsweise ist ein überflüssiges Wort. Beziehungsweise ist ein Wort, welches man benutzt, wenn man sich nicht die Mühe machen möchte, ein richtiges Wort auszusuchen. Nach persönlichen Studien wird beziehungsweise bzw. bzw. in 99,99 % aller Fälle falsch verwendet, nämlich als Ersatz für und oder oder, und stiftet damit unnötige Verwirrung.

A: Kontaktieren Sie mich bzw. meine Kollegin.
🤔

A: Frauen bzw. Kinder zuerst!
🤔

Ich zitiere mal aus einem Artikel dazu:

„Beziehungsweise“ ist nur dann angebracht, wenn ein Bezug auf zwei verschiedene Substantive vorliegt: „Zugelassen sind Kinder ebenso wie Erwachsene, der Eintritt beträgt acht bzw. zwölf Euro.“

So! Und sogar für diesen einen Fall gibt es elegantere Worte wie »respektive«. Ergo: Verbannen wir beziehungsweise aus unserem Wortschatz und es geht uns allen besser. Wir werden freier sein, glücklicher und wieder zu großartigen Literaten wie Schiller, Goethe und Dieter Bohlen heranwachsen.

Und weil das hier als weiterführender Link auch ganz gut passt: 9 ausgelutschte Wörter, die du beim Bloggen unbedingt vermeiden solltest.

Autor: Kim

Hi, ich bin Kim, Medienschaffender aus Berlin, der sich gerne mal in neuen spannenden Dingen austobt, seien es Medienprojekte, Weltreisen oder kulinarische Experimente.

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