Die perfekte Rasur – ein Update nach sechs Jahren

Foto: Flickr Commons

Mein Text zur perfekten Rasur fand damals recht viel Anklang. Inzwischen ist es schon sechs Jahre her, dass ich die Nassrasur mit Rasierhobel für mich entdeckt und mich tief in das Thema eingegraben habe. Es ist also höchste Zeit für ein Update: Was ist aus der damaligen Euphorie geworden? Sind Elektrorasierer doch alltagstauglicher? Ein kleiner Erfahrungsbericht, unterteilt in drei Phasen der Erleuchtung: Euphorie, Resignation und The Rise of the Hobel. Ja, auch interessant für euch, ihr vollbärtigen Zeitgenossen! Ich prophezeie: Es wird nicht mehr lange dauern, bis glatt wieder »in« ist. 😉

Kleiner Disclaimer: Es wird sehr nerdig und es hagelt Produktnamen. Wem das zu viel ist: Hier gibt es alternativ etwas schönes über einen Hai zu lesen.

1. Euphorie

Rasierbesteck aller Art: Palmolive Classic, Astra Superior, Merkur 34C, und ausgediente Billig-Rasierer
Damit fing alles an. Von links nach rechts: Palmolive Rasiercreme, Astra Superior Rasierklingen, Merkur 34C. Der Rest möge in Frieden ruhen.

Gestartet bin ich damals mit einem Merkur 34C, Astra Superior Rasierklingen und Palmolive Rasiercreme. Dabei ist es aber nicht lange geblieben, das Arsenal wurde nach und nach aufgestockt. Dazu gesellten sich ein Rasiertiegel, eine wunderbare Rasierseife sowie eine Pre-After-Shave-Creme von Proraso mit erfrischendem Menthol und ein neues Hobel-Set von Mühle, bestehend aus dem R89 und einem veganen Rasierpinsel. Außerdem versuchte ich mich noch an den etwas teureren und länger haltbaren Rasierklingen von Feather aus Japan: Holla die Waldfee, sind die Dinger scharf! Dagegen fallen die Astra Superior deutlich ab. So gut ausgestattet, kann dem Spaß ja nun nichts mehr im Wege stehen. Dachte ich.

Rasier-Set Version 2.0. Von links nach rechts: Proraso Rasierseife, Proraso Pre-/After-Shave-Creme, Feather Rasierklingen, Rasierhobel Mühle R89 mit Rasierpinsel. Hinten: Ein müder Tiegel.

2. Resignation

Wumms, und dann kam sie, die Realität. Damals war mir ja schon klar, dass die Hobel-Rasur recht aufwändig ist. Utensilien vorwärmen, Schaum aufschlagen, auftragen, zwei Durchgänge rasieren, Pflegeschritt 1, Pflegeschritt 2, Pflegeschritt 3, … Das ist an einem Arbeitstag morgens einfach nicht drin. Dazu kommt, dass es bei der Nassrasur zumindest bei mir eine Stelle gibt, die gerne mal in einem Gemetzel endet, nämlich der Oberlippenbereich. Da geht ohne Routine entweder unblutig und stoppelig oder glatt und blutig. Mit Blutstillern habe ich dann auch experimentiert, fand aber die Idee, sich erst zu schneiden und es dann wieder zuzukleben nicht so prickelnd. Irgendwann ließ auch die Lust nach, sich am Wochenende nass zu rasieren, und es beschränkte sich nur noch auf besondere Anlässe.

Damit kam sie also wieder, die Zeit der Elektrorasierer. Kurze Version: Es funktioniert und macht keinen Spaß. Lange Version:

Mit Elektrorasierern bin ich damals ja hart ins Gericht gegangen, vor allem wegen der Gefahr der geplanten Obsoleszenz durch nicht wechselbare Akkus und der schlechten Qualität. Zwei Elektro-Rasierer sind bei mir schon verstorben. Ich fand dann allerdings den Braun M-90, der zwar auch ein Plastikbomber, aber dafür recht minimalistisch ist und mit AA-Wechselakkus betrieben wird (übrigens das letzte verbliebene Braun-Modell mit Akkufach, traurig). Damit konnte ich erst mal als Kompromiss leben. Allerdings taugt der integrierte Langhaartrimmer nichts, deswegen wurde noch ein Remington MB320C angeschafft. Der Remington trieb mich in den Wahnsinn: Der Akku hielt vielleicht ein Jahr durch, danach konnte das Gerät quasi nur noch an der Steckdose betrieben werden. Mit einem klobigen Netzteil. Ich hasse Netzteile. Mein letzter Versuch, ihn zu ersetzen, endete vorerst erfolgreich mit einem China-Teil mit Akkufach. Abgesehen davon gibt es hier quasi keine Neugeräte mit Akkufach mehr, traurig.

Braun M-90, Panasonic ES518P, Remington MB320C, Kemei
Farbliche Avantgarde der Elektrorasierer, 2 × kurz und 2 × lang. Von links nach rechts: Braun M-90, Panasonic ES518P, Remington MB320C, Kemei Trimmer.

Und die Rasur-Qualität? Die lässt leider zu wünschen übrig: Oft bleibt hier und da ein Härchen stehen. Um dieser trüben Situation etwas Glanz zu schenken, hab ich mir in meinem Japan-Urlaub schließlich noch einen kleinen Panasonic ES518P gegönnt, den man mit AAA-Akkufach und Metallgehäuse hierzulande schon als Exoten bezeichnen kann. Zumindest ein kleiner Lichtschimmer in der Dunkelheit.

3. The Rise of the Hobel

Damit wäre die Geschichte vermutlich schon zu Ende gewesen, hätte ich nicht wegen irgendeines Urlaubs-Gedankens noch mal Google angeschmissen. In einem Forums-Beitrag zum Thema Rasur auf Reisen erwähnte jemand ganz nebenbei Rasieröl. Rasieröl? Davon hatte ich noch nie gehört. Es gibt nicht mal einen Wikipedia-Artikel dazu, sapperlot! Nun gut, nach einer Recherche fand ich heraus, dass manche Menschen das Öl als zusätzlichen Vorbereitungsschritt bei der Nassrasur benutzen. Es kann aber auch als Ersatz für den Rasierschaum genutzt werden. Das klang schon mal vielversprechend. Im nächsten Drogeriemarkt habe ich mir also das nächstbeste Rasieröl gekauft: Es wurde ein Fläschchen Scream Cream mit 15 ml Inhalt. Das ist echt winzig! Zwei bis drei Tropfen sollen schon pro Anwendung genügen.

Rasier-Set Version 4.0: Mühle R89 und Scream Cream Rasieröl. Mehr braucht’s nicht.

Der erste Versuch war etwas ungewohnt: Nach dem Duschen das Gesicht nicht abtrocknen, drei Tropfen Öl in die nassen Hände reiben und ab ins Gesicht damit. Das Öl spürt man kaum, die Rasur klappt trotzdem einwandfrei, kein Haken, kein Zerren, keine Schnitte. Das Öl wird anschließend nicht abgewaschen, um irgendwelche Wirkungen zu entfalten, eine After-Shave-Creme ist also nicht unbedingt nötig. Der Geruch erinnert an den Wellness-Bereich eines Spa. Ein Hauch von Urlaub, sehr angenehm! Konnte das der schon lang gesuchte heilige Gral sein?

Vergleich

Machen wir doch mal einen Vergleich von Ausstattung und Zeitaufwand:

  1. Elektrorasur: Für ein Komplettpaket braucht es für mich zwei Rasierer, einen Kurzhaarschneider und einen Langhaartrimmer. Mit dem Bosch M-90 und dem China-Teil kommt man auf drei AA-Batterien.
    Reisetauglichkeit: Gut, aber zwei Geräte nehmen schon etwas Platz weg.
    Zeitaufwand für meine tägliche Rasur: vielleicht ein bis zwei Minuten
  2. Nassrasur klassisch: Wir brauchen Tiegel, Seife oder Creme, Post-Shave-Creme, Pinsel, Hobel, Klinge(n).
    Reisetauglichkeit: Ungenügend. Ja, es gibt auch Seifensticks, Reisepinsel und statt des Tiegels kann man auch die Hand benutzen. Manche kommen damit klar, aber für mich ist das Setup nicht wirklich reisetauglich. Man müsste sich separate Produkte für Reisen zulegen oder die Ausstattung reisetauglich zuschneiden und verpacken. Und der Pinsel will ja auch noch vernünftig trocknen.
    Zeitaufwand: > 10 Minuten
  3. Nassrasur mit Rasieröl: Wir brauchen Öl, Hobel und Klinge(n).
    Reisetauglichkeit: Sehr gut. Das Packmaß ist noch kleiner als das der Elektro-Variante und es muss nichts trocknen.
    Zeitaufwand: vielleicht drei Minuten

Ich finde, es gibt hier einen eindeutigen Gewinner! Natürlich hat die Öl-Variante auch Nachteile: Die Klingen können verkleben und müssen ggf. gereinigt werden. Rasier-Puristen würden behaupten, dass das Öl im Gegensatz zur Seife die Barthaare nicht aufquellen ließe, ich merke da in der Praxis aber keinen Unterschied. 🤷‍♂️ Dafür fühlt es sich für mich besser auf der Haut an und bringt einen zusätzlichen Pflege-Effekt mit.

Fazit

Scream Cream Rasieröl, Feather Rasierklinge und Mühle R89, zerlegt in die Einzelteile.

Für die tägliche oder zweitägliche Rasur werde ich erst mal bei der Rasieröl-Variante bleiben und schauen, wie es sich weiter entwickelt. Ich finde den Gedanken viel zu schön, mit nur drei Teilen und ohne Strom zurecht zu kommen (Hobel, Klinge, Öl). Und der Mühle-Hobel selbst besteht auch aus nur drei massiven Teilen, die vermutlich mehrere Leben lang halten werden. Mit dieser doppelten Dreifaltigkeit ergibt sich ein simples Setup mit gutem Ergebnis, wunderbar!

Autor: Kim

Hi, ich bin Kim, Medienschaffender aus Berlin, der sich gerne mal in neuen spannenden Dingen austobt, seien es Medienprojekte, Weltreisen oder kulinarische Experimente.

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